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Frühlingsfahrt ins Preßnitztal am 26.03.1984


Am 10.Januar 1984 war es soweit: Wie schon lange befürchtet, wurde der Betrieb auf der Preßnitztalbahn zwischen Niederschmiedeberg und Jöhstadt eingestellt. Zurück blieb ein knapp 10 km langes, stillegungsgefährdetes Reststück, aber immerhin noch mit Personen- und noch immer starkem Güterverkehr zum Niederschmiedeberger Kühlschrankwerk. Nachdem die erste Märzhälfte mit Schmuddelwetter vergangen war, sorgte am Monatsende ein Hochdruckgebiet für Frühlingsgefühle. Und für das Bedürfnis, dieser kleinen Bahn, bei der niemand wußte, wie lange sie noch fahren würde, noch einmal einen Besuch abzustatten. Es sollte mein letzter Besuch dort werden.....


Pünktlich am 25.03.1984 um 23:52 Uhr setzt sich D 559 mit einem Aufjaulen der 132'er in Berlin-Lichtenberg in Bewegung. Es ist Sonntagabend und der Zug ist ziemlich voll, in einem Abteil habe ich jedoch einen, wie sagt man: "Gangplatz", erwischt. Jeder, der sich außen auf dem Gang an den dort stehenden Reisenden vorbeikämpft, rammelt gegen die dünne Abteilwand. An Schlaf ist nicht zu denken, auch wegen der betrunkenen Schwadronierer im Abteil. Immerhin wird das Brummen der Leuchtstoffröhre von den Fahrgeräuschen übertönt... So hoffe ich auf ein pünktliches Aussteigen in Leipzig.
Ja denkste! In Jüterbog ist erst einmal Schluß! Ein Brand im Bahnhof erfordert einen Feuerwehreinsatz und mein Zug erhält 44 Minuten Verspätung. Aber wenigstens die Trinker im Abteil haben sich beruhigt und sägen jetzt dicke Bretter, Gelegenheit auch für mich für eine Mütze voll Schlaf. Mit +40' rollt D 559 schließlich in den Leipziger Hbf, P 3759 nach Geithain/Karl-Marx-Stadt ist natürlich weg. Schnell das Kursbuch gewälzt: Auf dem Nachbarbahnsteig steht schon P 3621 nach Reichenbach, Abfahrtszeit 03:55 Uhr, von einer 250'er schon mollig warm beheizt! Fein, da brauche ich den Service der Mitropa-Gaststätte heute nicht in Anspruch zu nehmen. Kurz zur weiteren Fahrt: P 3621 bringt mich bis Gößnitz, P 6073 nach Glauchau, P 5633 nach Flöha und schließlich P 18753 nach Wolkenstein, leider 90 Minuten später als geplant.


Leider bin ich ein wenig zu spät dran. 99 1561 ist mit ihrem morgendlichen Ng 67920 schon vor einiger Zeit aus Niederschmiedeberg eingetroffen und rangiert gerade auf dem Güterbahnhof die mitgebrachten Wagen zum Umspuren zurecht. Auch die Wagen für den Gegenzug wollen vorbereitet werden. Die Lok befindet sich im Prinzip in keinem schlechten Zustand, nur die Nummernschilder fehlen, und der eine Scheinwerfer des Spitzenlichtes hängt schief, und das Schutzglas öffnet sich immer wieder.

99 1561 in Wolkenstein 99 1561 in Wolkenstein
99 1561 in Wolkenstein 99 1561 in Wolkenstein

Ein Pfiff reißt mich aus meinen Betrachtungen: Die Lok rangiert über die Regelspurgleise hinweg mit ihren Güterwagen zum Personenbahnhof, um die ganze Garnitur am Bahnsteig bereitzustellen. Eine ganze Menge Reisender, aber auch Schaulustige, haben sich in der Morgensonne eingefunden. Wenn das Interesse der Menschen an der kleinen Bahn nur früher auch so groß gewesen wäre...! Zur Freude der Mitreisenden und Fotografen wird auch noch die Altbau-Garnitur aus dem Abstellgleis geholt und an den Bahnsteig gedrückt.

Schließlich ist Gmp 69955 fertig gebildet, immerhin umfaßt er sieben Wagen: Packwagen, 3 Personenwagen und 3 aufgebockte Güterwagen! Die Abfahrtszeit ist noch nicht herangekommen, und die Lok kehrt noch einmal zum Lokschuppen zurück, um Wasser zu nehmen. Das Ensemble aus Lokschuppen, Wasserkran und rauchender Dampflok liegt in der prallen Frühlingssonne, welch eine Augenweide! Während des Rangierens ist die Glasabdeckung des maroden Scheinwerfers erneut aufgesprungen, ein Eisenbahnfreund wird sie gleich wieder schließen.

99 1561 in Wolkenstein 99 1561 in Wolkenstein


Fertig! 99 1561 rangiert an ihren Gmp 69955, vorbei an der kalt abgestellten Lok "Nr.68", der 99 1568 (unten).

99 1561 in Wolkenstein 99 1561 in Wolkenstein 99 1561 und 99 1568 in Wolkenstein

Die Abfahrtszeit ist herangekommen: Ein durchdringender Pfiff, eine Rauchwolke steigt hinter dem Empfangsgebäude auf. Langsam nähert sich das Bähnle, die schwer arbeitende Lok zieht ihre Wagenschlange am Güterbahnhof vorbei, vor dem Hintergrund des auf einem 80 Meter hohen Felsen thronenden Wolkensteiner Schlosses. Ab September werden solche Ausfahrten der Vergangenheit angehören, der Restbetrieb wird dann direkt aus dem Gbf ausfahren.

99 1561 verläßt Wolkenstein 99 1561 verläßt Wolkenstein
99 1561 verläßt Wolkenstein 99 1561 vor Streckewalde 99 1561 vor Streckewalde
99 1561 bei Großrückerswalde 99 1561 bei Großrückerswalde

Einige Minuten später: Der Zug hat das Dreischienengleis verlassen und ist in das Preßnitztal eingebogen. Nach einer der zahllosen La's beschleunigt die Lok ihren Zug. Was für ein Anblick (oben)! Und zwischen Streckewalde und Großrückerswalde verläuft die Strecke nahe der Preßnitz (links)!
"Vom Eise befreit sind Strom und Bäche, durch des Frühlings holden, belebenden Blick!" Wenn auch die Natur noch nicht so richtig erwacht ist....!

Leider, nach einer reichlichen halben Stunde nähert sich die Fahrt schon wieder ihrem Ende. Der Zug passiert den vorletzten Bahnübergang vor Niederschmiedeberg (rechts), poltert über die letzte Preßnitzbrücke (ganz rechts), und dampft am Empfangsgebäude vorbei und über den letzten Bahnübergang in den Endbahnhof hinein (unten).

99 1561 vor Niederschmiedeberg 99 1561 vor Niederschmiedeberg
99 1561 in Niederschmiedeberg 99 1561 in Niederschmiedeberg

Schnell wird die Altbau-Reisezugwagengarnitur zur Seite gesetzt und die Güterwagen in den Gleisanschluß des Kühlschrankwerks gedrückt. Die weitläufigen Niederschmiedeberger Gleisanlagen unterstreichen die Bedeutung dieses Bahnhofes für die Weiterexistenz dieser Bahn. Erst im November 1986 konnte, trotz aller Bemühungen interessierter Kreise, ganz auf deren Dienste verzichtet werden!

99 1561 in Niederschmiedeberg

Auf das Rangieren folgt eine kurze Pause am Wasserkran. Während das Wasser in die Wasserkästen rinnt, ruht sich die alte Dame ein wenig in der Sonne aus.
Die Rückfahrt, Gmp 69956, ist dann eine gemütliche Fuhre: Nur 4 Wagen rollen bergab zurück nach Wolkenstein, rechts auf einer der vielen Preßnitzbrücken abgelichtet (rechts). Nur kurz ist die Pause, die Lok wendet sofort in Wolkenstein und kehrt als Ng 67925 ins Preßnitztal zurück.

99 1561 vor Wolkenstein

Immerhin 5 Güterwagen werden nach Niederschmiedeberg befördert. Klein und schmächtig wirken Lok und Packwagen gegenüber den aufgebockten Regelspurwagen, als der Zug, noch vor Streckewalde, an der inzwischen allerdings gleisanschlußlosen Holzpappefabrik vorbeidampft. Zur Versorgung dieser Fabriken wurde die Bahn ja gebaut und im Jahr 1892 eröffnet.

99 1561 vor Streckewalde 99 1561 vor Streckewalde
99 1561 in Streckewalde 99 1561 in Streckewalde

Als sei die Zeit stehengeblieben! Auf der Rückfahrt dampft 99 1561 mit einer Wagengarnitur wie vor 30 Jahren durch das Preßnitztal! Pmg 14294 rollt kurz hinter dem Bahnhof Streckewalde an der dortigen Papierfabrik vorbei. Aber die Konkurrenz rüstet schon zum "Verkehrsträgerwechsel": Im Hintergrund hält ein Ikarus 66 an der Bushaltestelle (links). Unten noch ein Abschiedsblick auf den gerade an der Holzpappenfabrik vorbeizuckelnden

Der Autofahrer ist weitergezogen, ich wandere durch das Preßnitztal zurück nach Wolkenstein, gerade noch rechtzeitig, um die Hilbersdorfer 50 3604 bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof in Richtung Flöha auf den Film zu bannen. Quietschend bahnt sich die Lok mit ihrem voll ausgelasteten Dg 53342 ihren Weg durch die enge Rechtskurve mit Bahnhübergang und Zschopauüberquerung. Auch einige Wagen aus Niederschmiedeberg wurden eingestellt. Der Beförderungs- rückgang im Güterverkehr auf dieser Strecke begann wohl 1986 mit dem endgültigen Ende der Preßnitztalbahn und vollendete sich gegen Null in den Jahren nach 1990....

99 1561 vor Streckewalde

Personenzug, der Ikarus-Bus hat ihn schon überholt.....
Immerhin: 99 1561 ist erhalten geblieben und jetzt beim "Wilden Robert" in Lohn und Brot!

99 1561 hinter Streckewalde


Zufrieden trete ich, allerdings etwas früher als nötig, die Heimfahrt an, da ich am nächsten Tag wieder arbeiten muß. Und alles geht glatt, P 18782 befördert mich nach Flöha, Psiw 13661 nach Freiberg und von dort (nach einem kurzen Imbiß) P 5649 nach Dresden. Auch D 74 "Hungaria" von Budapest ist pünktlich, der tschechiche Speisewagen des Zuges kommt mir sehr gelegen, ein böhmischer Gulasch mit Knödeln, dazu ein kühles Staropramen verwöhnen meinen heute bislang zu kurz gekommenen Gaumen. Kurz vor Mitternacht erreiche ich den Berliner Ostbahnhof.


Und, habe ich Ihr Interesse an dieser kleinen Bahn geweckt? Dem Verein I.G. Preßnitztalbahn ist es zu verdanken, daß diese kurz vor der "Wende" vollständig stillgelegte Schmalspurstrecke von Jöhstadt bis Steinbach wieder aufgebaut wurde! Auch die Loks der Baureihe IVk sind dort noch in Betrieb, neben Loks anderer Baureihen. Also los, solch eine Fototour ist (zumindest in Teilen) auch heute noch durchführbar. Hier geht's zur Seite der   Pressnitztalbahn.   

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