50 3603 am 25.04.1987 im Nahgüterzugdienst zwischen Nossen und Großbothen



Arbeit gibt es am 25.04.1987 im Bw Nossen nur noch für 50 3603. Sie bestreitet an diesem Tag den letzten verbliebenen Eintagesumlauf und rollt kurz nach 11:00 mit Ng 61345 aus Döbeln in den Bahnhof.

Der Wagen mit Transportern der beliebten Marke "Barkas" wird bestimmt schon sehnlichst erwartet, das Fahrzeug ist entscheidend, die Farbe ist da zweitrangig, notfalls muß eben umgespritzt werden. Bestimmt würde auch die Beladung mehrerer solcher Flachwagen reißenden Absatz finden, nur leider ist es nur einer.....

Wassernehmen ist nun angesagt, die Fahrt durch das Tal der Freiberger Mulde hat durstig gemacht. Und man trifft sich dort mit 50 3539. Während das Wasser in die Kehle der angekommenen Lok rinnt, beginnt sie -bestimmt!- von ihren Erlebnissen zu erzählen, um den Neid ihrer arbeitslosen Schwester ein bißchen zu schüren. Und auch die ebenfalls arbeitslose 110 064 schaut ein wenig neidisch zu, als sich die 50'er in Richtung der Drehscheibe bewegt, um letzte Vorbereitungen zum Wiederausrücken zu treffen.

Polternd wird die Drehscheibe befahren, das paßgenaue Anhalten der Lok erfordert Maßarbeit des Lokführers. Und wenig später kann die Rundfahrt beginnen, Gelegenheit, die Lok von allen Seiten zu betrachten. Noch ein Anblick der anderen Lokseite, als diese langsam das stählerne Hilfsmittel verläßt, richtigherum gedreht für Ng 61348 nach Döbeln.


In Roßwein begegnet mir dann Ng 61348. Hier ist der einzige Rangier-Zwischenhalt des Zuges. Und es wird auch eifrig rangiert, unter der bekannten Signalbrücke hindurch. So warten auf den Dampflokfreund eindrucksvolle Rangierbewegungen, bis zur Ruhe vor dem Sturm. Friedlich säuselt die Maschine vor sich hin, nachdem sie sich hinter die Signalbrücke zurückgezogen hat..... Da: Klappernd heben sich die beiden Signalflügel und ein Pfiff der Lok ertönt.Leicht schleudernd setzt sich 50 3603 mit dem recht schweren Zug in Bewegung, ihre Qualmwolke wird in Sekunden die Signalbrücke und auch die schöne Losung, mit welcher die "Bürger der sozialistischen Bruderländer" begrüßt werden, verhüllen. Wie viele DR-Heizer haben wohl die schlechte Qualität der DDR-Kohle verflucht. Aber immerhin, die Gartenerde sichert auch bei hohen Temperaturen eine schöne Qualmwolke. So ist die Ausfahrt des Zuges nicht nur ein Ereignis für die Ohren!


Großer Bahnhof dann kurz nach 18:00 Uhr in Großbothen: Von Eisenbahnern und Fotografen schon erwartet, rollt die in Döbeln gedrehte Lok mit Ng 62328 am von der tiefstehenden Sonne in ein warmes Licht getauchten Empfangsgebäude vorbei in den Bahnhof. Wenig später hat die Lok abgekuppelt und rollt nun auf die andere Zugseite, um die mitgebrachten Güterwagen in die Rangiergleise zu abzuziehen.

So gelingt ein Bild von der auf der Rochlitzer Seite des Zweiseitenbahnhofs in der langsam ersterbenden Abendsonne rangierenden Lok, im Vordergrund die Hauptstrecke nach Döbeln. Da es keine extra Rangierlok in Großbothen gibt, sind umfangreiche Rangierbewegungen erforderlich, bis dann alle Wagen verteilt und der Gegenzug zur Abfahrt bereitsteht.

Was für ein Gegenzug? Was für eine Enttäuschung! Nur der Begleiterwagen ist als Ng 62329 nach Döbeln zurückzubefördern! Kurz hinter dem Bahnhof wird die Unterführung unter der Strecke (Wurzen-)Großbothen-Glauchau hindurch passiert. Diese mündet auch in einen eigenen Bahnhofsteil, östlich von dem sich in Insellage befindlichen Empfangsgebäude.