Streckenwanderung durchs Preßnitztal am 19.06.1978



Beginnen wir unsere Wanderung entlang der Preßnitztalbahn an ihrem oberen Endpunkt Jöhstadt am Kilometer 23,0 mit einigen wohl recht oft geschossenen Bildern, welchen den Bahnhof mit seinem reizvoll-maroden Charme recht gut zeigen. Zuerst ein aus zwei Aufnahmen zusammengesetztes Panorama von Empfangsgebäude bis zur Ladestraße, wobei das modernste Gerät auf dem Bild wohl das Förderband am Kohlenhaufen sein dürfte. 99 1561 rangiert derweil vorbei am Empfangsgebäude mit der aufmunternden Losung in Großbuchstaben "Es lebe unser sozialistisches Vaterland - vorwärts zum 30.Jahrestag der DDR!" vorbei in Richtung des Lokschuppens. Folgen wir ihr doch dorthin! Auch so ein Bild, auf welchem es viel zu sehen gibt: Der Schuppen mit seinem Fachwerk und dem Wasserkran davor wird eingerahmt von einem alten Wagenkasten unklarer Bestimmung und einem Haufen von weißem Pulver, vielleicht Speisewasserenthärter? Und auf der rechten Seite verläßt das Streckengleis Richtung Schlössel in einer weiten Kurve den Bahnhof.


Weit ist es nicht bis nach Schlössel, einem kleinen Weiler mit Gleisanschluß, am Streckenkilometer 21,8 gelegen. Vor dem Haus mit seinem markanten Türmchen wartet ein Robur-Bus auf seinen weiteren Einsatz. Noch fährt allerdings die Bahn auf den schlechten Gleisen, so daß Schienenersatzverkehr nicht notwendig ist. Investiert wurde hier allerdings schon lange nicht mehr, aber die Züge schwanken immerhin noch sechseinhalb Jahre bis zum Januar 1984 nach Jöhstadt. Auf dem zweiten Bild scheint es so, als ob es mal einen Anschluß zur weiter hinten erkennbaren Schlösselmühle gegeben hat.


2,8 Kilometer sind es jetzt bis Schmalzgrube, auf meinem Weg weitet sich das Tal unweit der heutigen Station Loreleifelsen zu einer Lichtung, auf der ich erst einmal den Vormittags-Nahgüterzug 69953 erwarte. Mehr Bilder von diesem unter . Dann ist Schmalzgrube (Streckenkilometer 18,9) erreicht. Hier gibt es ein Überholgleis und weiter hinten noch eine Kopf- und Seitenrampe. Auch hier scheint alleine die in den Jahrzehnten zusammengedrückte Mischung aus Schotter, Bremsstaub und Schmierstoffen das Gleis noch zusammenzuhalten, wenn auch einige wenige Schwellen offenbar irgendwann einmel erneuert worden sind.


Und weiter geht meine Wanderung, knapp vier Kilometer sind es noch bis Steinbach. Mitten im Wald wartet ein alter sächsischer Wagenkasten auf meine Entdeckung. Und hier wurde irgendwann in den sechziger Jahren ein Stück neues Gleis mit Betonschwellen verlegt, allerdings erscheint die Schotterbettung ziemlich mangelhaft. Kurz darauf hat die Moderne dann schon wieder geendet, die altbekannten Holzschwellen tragen hier wieder die Schienen, jahrzehntelang imprägniert von den während des Bahnbetriebs anfallenden Betriebsstoffen. Es ist nicht nur das Kühlschrankwerk in Niederschmiedeberg, welches das Güteraufkommen der Bahn bestreitet, nein es gibt auch andere Ladestellen: So hier am Streckenkilometer 15,8 zum "Reißfaserwerk Bernhard Wolf", allerdings scheint die Geschäftstätigkeit von Fabrik und damit auch die Nutzung vom Anschlußgleis zum Erliegen gekommen zu sein.


Steinbach ist erreicht. Vom der berühmten Wasserstation mit ihrem daran befestigten Wasserkran habe ich leider nur ein unvollständiges Bild gefertigt, diejenigen von den dahinter befindlichen beiden Wagenkästen sind dann schon vollständiger: Zuerst ein alter Personenwagen, dahinter die Bude des Streckenfernsprechers, auf der anderen Seite gesäumt von einem alten Güterwagenkasten. Dieser beherbergt offenbar Geräte für den Bahnmeister, vielleicht auch eine Draisine, scheint aber schon länger nicht in Benutzung zu sein. Weiter nördlich dann der Güterschuppen, mit ziemlicher Größe der Bedeutung des Ortes angepaßt und mit einem gedeckten Güterwagen garniert. Nicht mehr in Nutzung, da das Schild davor "Halt für Rollwagen" gebietet. Und wo gibt es eigentlich noch so eine interessante Gleisentwicklung mit Doppelkreuzweiche und Kreuzung auf einer Schmalspurbahn?


Hinter Oberschmiedeberg unterfährt die Schmalspurbahn dann die Straße nach Arnsfeld, die einzige Straßenunterführung der Strecke. Hier ist das Gleis mit Stahlschwellen verlegt, diese wirken wesentlich stabiler als der hölzerne Schienenunterbau. Wenig später ist Niederschmiedeberg erreicht, hier am Streckenkilometer 9,4 endet meine Wanderung, nicht ohne Ihnen noch ein paar Bilder vom Bahnhof gezeigt zu haben: Rechts der Blick vom Bahnhofskopf nach Norden mit dem Wasserkran. Zwei lange Hauptgleise und ein drittes Ladegleis mit Rampe sind vorhanden, letzteres ist in der Mitte nochmals über eine Gleisverbindung zu erreichen, die Ladestraße somit unabhängig von der Belegung der Rampe.

Aber das ist noch lange nicht der ganze Bahnhof. Am Nordkopf zweigt noch der Anschluß zum dkk-Kühlschrankwerk ab. Dieser Anschluß ist sozusagen die Lebensversicherung der Bahn, die Exporte des Werkes in das "Nichtsozialistische Währungsgebiet", u.a. für Quelle, laufen, da man ja keine LKW-Fahrer in den Westen schicken will, über die Bahn. Auch ein Umladen wäre für die empfindliche "Weiße Ware" ziemlich schädlich. So rollen sie, die zweiachsigen gedeckten Güterwagen gen Westen, in Niederschmiedeberg im aufgebockten Zustand beladen. Die Gleisanlage des Anschlusses ist übrigens in einem wesentlich besseren Zustand als der Rest der Bahn. Aber kehren wir zum eigentlichen Bahnhof zurück: An der Rampe steht noch ein Rungenwagen abgestellt, der einzige Schmalspurgüterwagen, der noch in Gebrauch zu sein scheint.

Zum Abschluß nochmals drei Bilder vom Nordkopf des Bahnhofs. Kurz dahinter in Richtung Wolkenstein überquert die Strecke wieder einmal die Preßnitz. Der mit 99 1561 bespannte Zug bullert gerade über diese Brücke, passiert kurz darauf das Empfangsgebäude und erreicht den Bahnhof wenig später. Auch auf dieser Seite verzweigt sich die Anlage wieder auf drei Gleise. Interessant ist die wegen dem nahen Fahrweg zur Ladestraße unterirdische Gestängeführung zur Weiche, leider habe ich den Stellbock nicht fotografiert. Das letzte Bild soll dagegen noch einmal die inzwischen abgestellten Güterwagen für den Kühlschranktransport zeigen, still gammeln sie vor sich hin. Vielleicht hat es ja mal Versuche mit Umladen in Wolkenstein gegeben, aber zumindest für Quelle waren die dabei entstandenen Schäden wohl nicht diskutabel. Interesse an Bildern vom unteren Streckenteil?