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Winterfahrt zur Harzquerbahn am 22.02.1982


Die Harzquerbahn nimmt für mich einen besonderen Platz unter den Schmalspurbahnen ein. Sie besitzt auch heute den Charakter einer Hauptbahn, es gibt Hauptsignale sowohl für Ein- als auch Ausfahrt mit den dazugehörigen Fahrdienstleitern, die wichtigsten Weichen werden aus Stellwerken gestellt. Auch heute ist das noch so, nur daß das Streckennetz den HSB gehört und sogar teilweise mit ESTW gesteuert wird. Zu Zeiten der DDR gehörten allerdings Formsignale und Seilzugleitungen, später auch Rückfallweichen, zur standardmäßigen Ausrüstung. Dieses Streckennetz, welches 1984 mit dem Lückenschluß Stiege-Straßberg mit der Selketalbahn vereinigt und nach Zusammenbruch der DDR wieder zum Brocken und nach Quedlinburg erweitert wurde, wurde und wird von mir immer wieder gern besucht.

Am Abend des 21.02.1982 besteige ich in Dresden-Neustadt den D 450 (Warszawa-Frankfurt/M). Dieser Zug führt zu dieser Zeit Kurswagen von Moskau und Krakow nach Zürich und Paris. Aber dahin wäre ich als einfacher DDR-Bürger sowieso nicht gekommen, also steige ich in Leipzig Hbf wieder aus. P 7342  wartet schon, um mich nach Halle zu bringen, in der dortigen Mitropa hoffe ich auf eine Bewirtung, zumal die dort gereichte Soljanka einen guten Ruf hat. Nun ja, die Soljanka war eßbar, aber der Kaffee..... Irgendwie muß da der Beutel mit dem "Muckefuck" in den Kessel geraten sein (Für "Wessis": Heute wird so ein Getränk als "Karo-Landkaffee" serviert.) Aber warm war das Gebräu....! Nach einer Dreiviertelstunde verlasse ich dieses Etablissement und suche meinen Pmg 4520 auf. Dieser Zug ist etwas ganz besonderes: Er befördert Expreßgutwagen mit dem "Neuen Deutschland" von Berlin (aus Gex 2359) ins katholische Eichsfeld und hat auf jedem größeren Bahnhof Lade- bzw Rangierhalte, weswegen er für die 166 km von Halle nach Arenshausen knapp 5 Stunden braucht. Aber ich will ja nur bis Nordhausen, um zur Harzquerbahn zu gelangen, wo ich in den höheren Lagen auf etwas Schnee hoffe. Auch möchte ich die Tfz noch einmal in ihrer (gerade erst umgerüsteten) Heizölfeuerung auf den Film bannen, bevor diese Maßnahme wegen des Ölschocks wieder rückgängig gemacht wird.


Und da wartet im Bahnhof Nordhausen-Nord schon 99 0244 mit P 14440 nach Ilfeld auf mich als einzigen Reisenden. Gemütlich geht die Fuhre bis Ilfeld, wo die Lok umsetzt und sich mir auch noch kurze Zeit für ein Standfoto präsentiert. Zurück geht es dann als P 14441 nach Nordhausen, ein Berufszug, in dem auch schon einige Pendler (vornehmlich Eisenbahner der Nordhäuser Dienststellen) sitzen. Die Lok hat keine Mühe, die vier Personenwagen gut zu heizen, der Zug rumpelt vor sich hin und ich genieße einige Minuten Schlaf.    --->

99 0244 in Ilfeld

Nach dem Umsetzen in Nordhausen präsentiert sich die Lok mir etwa 20 Minuten vor P 14402 zum Fotografieren. Also, schnell die Augen gerieben, das Stativ ausgepackt und einige Fotos geschossen. Das Wetter ist allerdings diesig und die Bilder werden dementsprechend, aber zwei sind trotzdem zumutbar geworden... Bei Zügen ab Nordhausen Nord fahren die Dampfloks mit der Rauchkammertür zum Zug gerichtet, eine Mitfahrt auf der vorderen Einstiegsbühne ist zwar offiziell nicht gestattet, wird aber geduldet.


Bei Abfahrt des Zuges stelle ich mich, wie immer, auf die vordere Einstiegsbühne. Noch ist es dunkel, schemenhaft ist von der Bühne die arbeitende Lok zu erkennen, schwer wummert das Triebwerk durch die Nacht! Eine Stunde Bergfahrt bis Benneckenstein wartet auf den Genießer, mit einer kleinen Pause zum Aufwärmen und Vertreten der Beine in Eisfelder Talmühle. Schließlich hat der Zug

99 0244 in Nordhausen Nord 99 0244 in Nordhausen Nord
Blick auf Benneckenstein

nach eindrucksvoller Fahrt die Hochebene erreicht und im Morgendunst tauchen die ersten Häuser von Benneckenstein auf. Was für eine Fahrt! Durchfroren verlasse ich im Bahnhof die Einstiegsbühne, um die Begegnung mit dem (zum Glück) verspäteten P 14401 mit 99 0234 auf den Film zu bannen. Schnell geht es weiter - durch das Sperrgebiet bis Drei-Annen-Hohne unter den wachsamen Augen des begleitenden Transportpolizisten. Erst dort ist wieder ein Aussteigen erlaubt, was ich dann auch mache.

Kreuzung 99 0234 mit 99 0244 in Benneckenstein

Ein schneller Sprint zur südlichen Bahnhofsausfahrt wird nun erforderlich, denn Gmp 69751 verläßt nach 4 Minuten den Bahnhof, einer der beiden täglichen Züge nach Schierke. Der Bahnübergang ist immer wieder ein beliebtes Fotomotiv. Ca 50 Minuten später folgt Ng 67771 Wernigerode-Benneckenstein (Ganz rechts). Nach diesen Zugfahrten habe ich ein wenig Zeit, das im herrlichen Sonnenlicht liegende Bahnhofsgebäude der ehemaligen Normalspurstrecke von Elbingerode (HBE) zu begutachten. Sogar der Güterschuppen wurde in die Wohnraumnutzung mit einbezogen!

99 0245 verläßt Drei-Annen-Hohne 99 0235 südlich Drei-Annen-Hohne
Normalspur-Bahnhofsgebäude Drei-Annen-Hohne

Es herrscht weiterhin hervorragender Sonnenschein und ich entschließe mich zur Wanderung entlang der Strecke nach Wernigerode, um die immerhin vier von Wernigerode bis Stunde 14 heraufkommenden Züge zu genießen und zu fotografieren, einen davon auch in der Ausfahrt aus dem einzigen Tunnel der Strecke am Thumkuhlental. Der erste Zug kommt mir schon auf der Hochebene entgegen, der mit 99 0231 bespannte P 14403.


99 0231 vor Drei-Annen-Hohne
99 0238 zwischen Steinerne Renne und Drei-Annen-Hohne

Nach einiger Zeit kündigt sich mit heftigen Auspuffschlägen der nächste Zug an. Schwer arbeitend, nähert sich 99 0238 mit P 14445 durch eine kleinen Einschnitt meinem Fotostandpunkt, um mit einem kräftigen Achtungspfiff an mir vorbeizuziehen. Vielleicht stand ich ja doch etwas zu nahe am Gleis ?...

99 0238 zwischen Steinerne Renne und Drei-Annen-Hohne

99 0231 vor Drei-Annen-Hohne

Nun ist es nicht mehr weit bis zum Thumkuhlentunnel und ich habe noch fast eine ganze Stunde Zeit, in der kein Zug zu erwarten ist, also setze ich mich dort auf einen Baumstumpf und sonne mich.....

Aber was sind das für wummernde Geräusche, die, erst gedämpft, dann immer stärker werdend, aus dem Tunnelmund dringen! Schnell nehme ich meinen Fotostandpunkt ein (Fast hätte ich den Zug verschlafen...!), da bricht 99 0244 mit P 14407 auch schon aus ihm in das gleißende Sonnenlicht heraus, eine gewaltige Qualmwolke hinter sich herziehend. Noch lange lausche ich den Geräuschen der schwer arbeitenden Lok nach, bis ich mich zum Abstieg längs der Bahntrasse nach Steinerne Renne mache.

99 0244 am Thumkuhlentunnel 99 0244 am Thumkuhlentunnel
99 0245 vor Steinerne Renne

Vor dem leider im Winter nicht im Sonnenlicht liegenden Bahnhof Steinerne Renne gibt es eine der engsten Kehren der ganzen Strecke, welche hier gerade von 99 0245 mit Gmp 69753, dem zweiten täglichen Zug nach Schierke, befahren wird. Seltsamerweise führten die Züge nach Schierke jahrelang die Zuggattung "Gmp", obwohl ich nie erlebt habe, daß Güterwagen mitgeführt wurden. Und für eine Fahrt zum Brocken (für die Versorgung der Grenztruppen) reichte die kurze Wendezeit in Schierke sowieso nicht aus. Im rechten Bild kreuzt unser "Gmp" in Steinerne Renne den Gegenzug P 14446 mit 99 0238.

99 0245 und 99 0238 in Steinerne Renne

Von Steinerne Renne, übrigens dem ersten Bahnhof mit Rückfallweichen auf der Harzquerbahn, fuhr ich mit P 14446 nach Wernigerode-Westerntor, um mich dort ein wenig umzusehen. Zu den Besonderheiten in Wernigerode gehört, daß dort außer dem Bw nur 3 Bahnsteiggleise vorhanden sind. Überzählige angekommene Züge müssen nach Westerntor zurückfahren, um dort in die Betriebswerkstatt rangiert zu werden. So kehrt 99 0238 mit Lrv 14446 nach Westerntor zurück und übernimmt nach dem Abstellen des Zuges auch noch das Rangieren der kalten 99 6101.

99 0238 in Wernigerode-Westerntor 99 0238 rangiert 99 6101 in Wernigerode-Westerntor
99 0234 auf der Westerntor-Kreuzung

Nach einer halben Stunde kehrt auch 99 0234 mit P 14404 aus dem Harz zurück, hier auf der berühmten Straßenkreuzung in Wernigerode-Westerntor. Da ich am nächsten Tag in Dresden unabkömmlich bin, entschließe ich mich, die Heimreise anzutreten, nicht ohne noch im Bw Wernigerode die beiden Loks 99 7222 und 99 0238 fotografiert zu haben. Zufrieden begebe ich mich zum Normalspurbahnhof zu P 17447 nach Halberstadt, um damit E 847 nach Leipzig zu erreichen. Leider ist dieser Zug

99 0238 und 99 7222 im Bw Wernigerode

entgegen dem Fahrplan ohne Speisewagen, mein Durst muß so noch bis Leipzig warten... Ich entschließe mich daher, auf die Weiterfahrt mit dem Nachtzug D 487 (Leipzig-Warschau) mit seinen miefigen PKP-Wagen zu verzichten und kehre noch in die Mitropa ein...

Nun, ist Ihre Lust an einer Harzquerbahnfahrt geweckt? Die oben beschriebene Tour kann in ähnlicher Weise auch heute noch durchgeführt werden! Gegen 09.30 Uhr fährt auch im jetzigen Fahrplan ein dampfbespannter Zug ab Nordhausen - die Rauchkammer zum Zug hin (Zur Zeit für mich der schönste Zug Deutschlands überhaupt!). Eine dicke, alte Jacke ist allerdings empfehlenswert.... Und von Drei-Annen-Hohne geht es stündlich mit Dampf zum Brocken (was damals gar nicht möglich war!), und auch die Strecke Steinerne Renne - Drei-Annen-Hohne wird viel häufiger (meist mit Dampf) befahren. Näheres, auch zum aktuellen Fahrplan, kann jederzeit über die Seite der HSB abgerufen werden:               http://www.hsb-wr.de/
Oder suchen Sie eine Unterkunft, wo Sie durch den Pfiff einer Dampflok geweckt werden? Dann schauen Sie einmal hier! --> Ferienhaus am Steinberg Wernigerode-Hasserode

Der gesamte Set umfaßt 22 Bilder (52 MB) und kann - in besserer Qualität - jederzeit abgerufen werden. Näheres unter       Angebote


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