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Schnee und Sonne im unteren Wassertal



Am 20.02.2018 können wir Eisenbahnenthusiasten ein wenig länger ausschlafen. Nach der langen schließt sich eine kurze Fahrt durch das untere Wassertal bis Paltin an, und um die Produktionszüge nicht zu stören und die besseren Lichtverhältnisse zu nutzen, geht es eben etwas später los. Dunst liegt noch über dem Bahnhof, als wir am Empfangsgebäude eintreffen.

Und da taucht unser Zug auch schon aus den hinteren Gleisanlagen auf, bespannt mit der im Jahr 1955 bei Resita gebauten 764 449! Bislang nur den Dienstwagen am Zughaken, dampft sie in Richtung Lokschuppen, um sich mit Betriebsstoffen zu versorgen. Inzwischen sind die anderen Teilnehmer eingetroffen, die in der kalten Morgenluft entweichenden wunderbaren Wolken weißen Dampfes zu bewundern. Auch ein weiteres Exemplar beteiligt sich an der Dampferzeugung: 764 435 schmaucht am Lokschuppen vor sich hin. Inzwischen ist unsere Lok am Holzplatz angelangt und wird mit viel Manpower "beholzt". Fertig! Das Rangiergeschäft beginnt.

Das Rangieren zwischen den schon etwas windschiefen Holz- und sonstigen Altbauten, garniert mit abgängigen Telegrafenleitungen, ist immer wieder ein Erlebnis, besonders wegen der Wolken weißen Dampfes vor der morgendlichen Dämmerung im Hintergrund schlägt das Herz des Eisenbahnfans gleich viel schneller. Letzte Vorbereitungen für die Abfahrt des Zuges, Aufnahme der Holztrucks in den hinteren Rangiergleisen, dann dampft er auch schon wenig später heran, um uns Eisenbahnfans vor dem Lokschuppen aufzusammeln. Die Fahrt kann beginnen!


Generationen von Eisenbahnfans haben sich neben den täglich hier einkehrenden Bahnbediensteten im Magasin Mixt von Valea Scradei mit festen und flüssigen "Betriebsstoffen" versorgt, und so passiert es auch diesmal, während sich die Dampflok auf der Dorfstraße ausruht. Die Abfahrt ist uns dann aber doch eine Fotosession wert: Schnee und Dampf hellen die Bilder auf, als die Maschine zwischen den kleinen Häusern herannaht, den Ton kann man sich dazudenken. Und es ist immer wieder schön mitzubekommen, wie auf solch einer Waldbahn auf die Wünsche der Fotografen eingegangen werden kann. Auf einer Hauptstrecke weitestgenend undenkbar!


Nicht weit davon verläuft die Strecke durch eine weitläufige Wiese, Gelegenheit für weitere Bilder. Schön mit Umwegen zum Fotopunkt gestakt, um die unberührte Oberfläche des Schnees nicht durch Spuren zu ruinieren, und da dampft er auch schon heran, unser Zug! Noch hat es die Sonne nicht geschafft, diesen Teil des Tales zu erhellen, aber sie schickt ihr Streulicht schon einmal voraus. Und weil es so schön ist, wiederholen wir die Vorbeifahrt noch einmal, diesmal mit dem kleinen, verwunschenen Hexenhaus am linken Bildrand! Wenn auch jedem klar sein sollte, dass diese Bilder mehr oder weniger gestellt sind, so versprühen sie doch jede Menge Eisenbahnromantik!


Priboaia ist erreicht. Die Strecke verläuft hier in einer inzwischen sonnen- beschienenen Kurve. Schnell ist der Fluss auf einer Hängebrücke überquert und der gegenüberliegende Hang hinaufgekraxelt, der Zug ist per Handy zum Losfahren aufgefordert worden und da kommt er auch schon! Vorbei am Tiergatter und in der Morgensonne goldenen Rauch ausstoßend. Eine Spielzeugeisenbahn mit märchenhafter Landschaftsgestaltung? Und das im 21. Jahrhundert? Auch hier gibt es noch eine Wiederholung, entscheiden sie selbst, welche Bilder davon am schönsten sind. Es gibt nur Abweichungen in Nuancen.


Bald darauf ist die Station Novat erreicht, deren ziemlich lange Gleise in einer Kurve liegen. Der Zug bleibt vorerst im Schatten stehen und der Lokführer inspiziert das Triebwerk, während weiter hinten in der Sonne schon eine Draisine auf die Weiterfahrt nach Viseu de Sus wartet. Als diese hinter der Biegung verschwunden ist, zieht auch unser Zug in die Sone vor, dabei beobachtet von einem Bahnbediensteten. Aber alles scheint in Ordnung, die Mienen und das Verhalten der Mitarbeiter verraten keinerlei Unruhe. Und da steht unser Maschinchen noch ein wenig zum Fotoshooting in der Sonne, und nur wenn man genau hinschaut, lassen sich die Spuren des von der Rauchkammer entfernten Namensschildes ausmachen.


Nur wenige hundert Meter weiter überquert die Strecke den aus dem Novat-Tal kommenden Seitenfluss, um auf der anderen Talseite das Gleisdreieck von Novat Delta zu erreichen. Auch hier scheint die Sonne und eine Brücke ist ja immer ein gutes Fotomotiv. Und wenn dann noch goldener Dampf dazukommt und auch die Ohren etwas zu Genießen haben, ja dann lacht doch das Fanherz! Und noch einmal, zur Wiederholung drückt man über die Brücke zurück, um diese dann unter maximaler Kraftentfaltung erneut zu überqueren. Sogar der Wind steht günstig, er treibt den Dampf in die andere Richtung!

Fortsetzung gefällig? Gemächlich drückt man ein weiteres Mal zurück. Ein kurzer Anruf über Handy, ein langer Pfiff der Lok und das Schauspiel wiederholt sich, nur diesmal aus anderer Perspektiv! Steil steigt der weiße Holzdampf in die Höhe, bis die Lok aus dem Windschatten tritt und er in die Waagerechte geht, um die gegenüberliegenden Wohnhäuser einzunebeln! Das abzweigende Gleis des Dreiecks ist unter Schnee begraben, ins Novattal findet derzeit kein Zugverkehr statt.


Die vielen Scheinanfahrten haben den Wasservorrat der kleinen Lok aufgezehrt und so versucht man jetzt, diesen mit der Strahlpumpe aus dem Novatfluss heraus aufzufüllen. Skeptisch beobachtet der Lokführer die Angelegenheit, berechtigt, den bislang lässt der Wasserfluss stark zu wünschen übrig. So würde es noch ewig dauern! Also stapft man nach unten, um den Schlauch in tieferes Wasser zu tauchen. Und nun geht es schneller und der baldigen Weiterfahrt steht nichts mehr im Wege.


Noch vor Glimboca wartet die nächste Fotostelle. Nicht ganz so optimal, aber immerhin kann ein Sonnenfleck Lok und ihre Dampfwolke aufhübschen. Und auch der Fluss lässt sich ins Bild bringen, während der Zug auf uns zu schwankt. Und es ist halt so: Bei bestem Sonnenlicht fotografieren, das kann eigentlich jeder. Aber auch das ist eben Winter!


Der Bahnhof von Glimboca liegt im Schatten und wird vom Zug durchfahren. Aber die Lichtung in der Ausfahrt bietet sich für weitere Bilder an, wenn auch die Sonne inzwischen ein bissel im Dunst verschwunden ist und nur noch mäßiges Streulicht sendet.


Kurz vor Cozia wechselt der Zug einmal wieder auf die andere Seite des Tals, nach diversen Hochwassern ist der Mittelpfeiler der Brücke neuerdings besonders gegen diese geschützt. Aber dann: Das Gleis ist hier gut einsehbar, über eine Flußschleife herüber kann man den herannahenden Zug im dunstigen Sonnenlicht gut auf den Chip bannen.

Aber es kommt noch besser: Als sich der Zug nähert, gerät ein im Eise erstarrter Wasserfall in den Blick. Zuerst nur ein Tupfer in der malerischen Landschaft, aber da sollte doch noch etwas mehr möglich sein!? Ja, von der anderen Seite! Eine schwierige Perspektive angesichts des geringen Freiraumes zwischen Felswand und Gleis! Dichtgedrängt stehen wir da im Schnee, nachdem ein paar Ranken entfernt wurden. Dampf und Eis, zwei Gegensätze, welche kaum größer sein können, auf Bildern verewigt. Was für ein Erlebnis!


Cozia ist erreicht. Hier wartet schon der erste Produktionszug auf die Weiterfahrt zurück nach Viseu de Sus. Schick sieht sie ja aus, die frische renovierte 87 0032. Als sie dann aber anfährt, rußt sie uns mit ihren Diesel-Abgasen so etwas von stark ein! Bläuliche Schwaden durchziehen das Wassertal. Wieviel schöner sind dagegen die Schwaden aus dem Schornstein unserer Dampflokomotive, welche uns wenig später auf der Bühne des Fotozuges umhüllen!


Sehr attraktiv ist der nächste Fotopunkt auf etwa halbem Weg nach Novicior eher nicht, aber sei es drum, Schnee und Dampf erzeugen auch hier eine gewisse Stimmung.


Nach einer weiteren Flussüberquerung erreicht das Zügle Novicior. Hier befindet sich allerdings nur ein Ladeplatz, der eigentliche Ort ist über einen etwa zwei Kilometer langen Fahrweg durch ein Seitental erreichbar. Diesmal liegt der Ladeplatz allerdings unbenutzt unter einer Schneedecke begraben, Weichen gibt es hier nicht, es macht allerdings auch nichts aus, wenn ein Wagen dort mal eine gewisse Zeit stehen bleibt. Die nächste Brücke schließt sich an und kurz darauf die Einfahrt in das um den nächsten Ort Paltin eingerichtete Naturreservat, gekennzeichnet durch ein Holztor im Zipser Stil, bestimmt beeindruckend für die hier mit den Touristenzügen aufschlagenden Reisenden. Und natürlich auch ein interessantes Fotomotiv für Eisenbahnfreunse.


Unser heutiger Endpunkt der Fahrt, Paltin ist erreicht. Schnell werden die Personenwagen wegrangiert und in das Nebengleis gedrückt. Nun sind die Holztrucks an der Reihe, da es sich für Touristenzüge genutzte Schad-Trucks handelt, werden sie am Zugschluss wieder zurückbefördert und müssen auf die umgesetzten Personenwagen aufgedrückt werden. Scheppernd befahren sie mehrmals, garniert von den Pfiffen der Rangierer, die nicht mehr ganz taufrische Weiche, bis dann der ganze Zug im Ausfahrgleis bereitsteht.


Nun sei doch einmal eine Lanze für die schwere und gefährliche Arbeit der Rangiere und Bremser auf einer Waldbahn gebrochen. Gerade bei Schnee und Eis auf einer zugigen Bremserbühne eines Holztrucks zwischen den schweren Baumstämmen zu stehen, das ist schon eine Leistung. Da ist das Umstellen einer schwergängigen Weiche mittels eines schlecht geschmierten, rostigen Stellhebels geradezu eine leicht Tätigkeit.

Nach Ende der Rangierarbeiten schiebt man sich bedächtig an dem gebildeten Wagenzug vorbei, um zur anderen Bahnhofsseite zu gelangen, während die meisten Eisenbahnfreunde schon das Fotagrafieren aufgegeben haben und zufrieden noch ein bisschen die Dampf-Athmosphäre genießen. Langsames Zurücksetzen an den Zug, der Heizer springt von der Lok und eilt zum Wagenzug, um beim Aufprall der Kupplungen den Splint einzuhängen. Fertig! Dann aknn die Rückreise ja losgehen.


Irgendwo in der Pampa auf der Rückfahrt: Ein Rumpeln, drei schnelle Pfiffe der Lok und der Zug steht. Und da sehen wir schon das Malheur: Einer der Personenwagen ist mit einer Achse entgleist! Die Spur des Radreifens ist schon ein par Meter im Schnee auszumachen. Leider dürfen wir der Aufgleisung nicht beiwohnen, aber beteiligt sind daran ain Aufgleisschuh, ein stabiler Baumstamm und die Dampflok, welche mit gezielten Rangierstößen die Arbeit der Beteiligten unterstützt. Nach einer halben Stunde geht es schon weiter, es wird auch Zeit, weil wir ja am Abend noch nach Moldivita "übersiedeln" wollen. Aber das ist eine andere Geschichte.....


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